Normative Grundlagen auswärtiger EU-Sicherheitspolitik aus theologisch-ethischer Perspektive. Entfaltet am Beispiel Malis

Sich aus der Per­spek­ti­ve theo­lo­gi­scher Ethik mit Sicher­heits­po­li­tik aus­ein­an­der­zu­set­zen, fällt nicht in den Kern­be­reich die­ser Dis­zi­plin. Auch wer sich aus kirch­li­cher Ver­or­tung her­aus mit dem aus­wär­ti­gen Han­deln der Euro­päi­schen Uni­on (EU) beschäf­tigt, bewegt sich eher in einem kirch­li­chen Rand­be­reich. Bei­des mit­ein­an­der zu ver­bin­den, könn­te aus der skiz­zier­ten Blick­rich­tung her­aus als gänz­lich absei­ti­ges Inter­es­sens­ob­jekt ange­se­hen wer­den: Ins­be­son­de­re, wenn es anhand des exem­pla­ri­schen Gesche­hens in Mali ent­fal­tet wer­den soll. Doch das ist ganz und gar nicht so.

Quelle: pixabay.com
Quel­le: pixabay.com

Ers­tens ist Sicher­heit ein genu­in theologisch-ethisches Refle­xi­ons­feld, denn die Beschäf­ti­gung mit ihr kon­fron­tiert uns sowohl mit der irri­tie­ren­den Ein­sicht, dass es jedes Wis­sen um Sicher­heit nur als hypo­the­ti­sches geben kann als auch mit der viru­len­ten Ver­su­chung, dass wir voll­kom­me­ne Sicher­heit in quasi-demiurgischer Atti­tü­de selbst erschaf­fen wol­len.

Zwei­tens ist die EU von einem Respekt- und Koope­ra­ti­ons­mü­hen in ihrem Inne­ren getra­gen, sodass kohä­ren­ter­wei­se auch ihr aus­wär­ti­ges Han­deln von eben die­ser Hal­tung ganz durch­wirkt sein muss: Da Leben aus dem Glau­ben, da kirch­li­ches Leben gera­de auf das Stif­ten und Stär­ken von Frie­den zielt, ist die EU vor die­sem Hin­ter­grund ein genu­in kirch­li­cher Ort.

Drit­tens ist Mali ein plausibel-lohnenswertes Bei­spiel. Zum einen fin­den sich sei­ne Pro­ble­me – Armut, Bil­dungs­aus­fall, Kor­rup­ti­on, man­geln­des Gemein­wohl­be­wusst­sein, inter-ethnische Macht- und Res­sour­cen­kämp­fe, Waffen-, Drogen- und Men­schen­schmug­gel – muta­tis mutan­dis in vie­len ande­ren Staa­ten Afri­kas. Zum ande­ren wer­den die Kri­sen und Erschüt­te­run­gen der kom­men­den Jahr­zehn­te in die­sem Erd­teil Euro­pa inten­si­ver tref­fen als ande­re Welt­ge­gen­den und wer­den inner­halb der west­li­chen Welt zugleich die euro­päi­schen Staa­ten als für die Sta­bi­li­sie­rung und Stär­kung die­ses Kon­ti­nents Erst­zu­stän­di­ge benannt. Zu guter Letzt ist Mali der Staat in Afri­ka, in dem sich die EU am stärks­ten sicher­heits­po­li­tisch enga­giert; und die Not­wen­dig­keit die­ses Enga­ge­ments wird für die Euro­pä­er noch sehr vie­le Jah­re bestehen blei­ben.

Metho­disch folgt der Gang des Vor­ha­bens dem klas­si­schen, drei­schrit­ti­gen Ansatz der Moral­theo­lo­gie: Sehen – Urtei­len – Han­deln. Es ent­fal­tet sich daher in drei (exem­pla­ri­schen) Schrit­ten – einem epis­te­mi­schen, einem nor­ma­ti­ven, einem eva­lua­ti­ven:

  • Wel­ches Ver­ständ­nis von Sicher­heits­po­li­tik hat die EU und wel­ches sind ihre wesent­li­chen sicher­heits­po­li­ti­schen Bei­trä­ge?
  • Wie ist dafür inner­halb des Denk­raums katho­li­scher Sozi­al­leh­re ein Hand­lungs­maß­stab zu for­mu­lie­ren?
  • Was folgt dar­aus für exem­pla­ri­sche Hand­lungs­fel­der / Pro­jek­te / Mis­sio­nen: Wie ist Ver­gan­ge­nes zu bewer­ten; wie soll­te Zukünf­ti­ges gestal­tet wer­den?

 


Projektleiter

Dr. Mar­co Schrage