Islamische Friedensethik: Friedensethische Diskurse im islamisch geprägten Kulturkreis der Gegenwart

 

Abu Bakr stoppt mekkanischen Mob
Abu Bakr stoppt mekkanischen Mob

Angesichts der weltpolitischen Ereignisse nach dem Ende des Kalten Krieges zeichnet es sich ab, das künftige politische und soziale Umbrüche nur dann halbwegs friedlich verlaufen werden, wenn es zu einem besseren Verständnis der Kulturen und Religionen dieser Welt kommt. Vor diesem Hintergrund will das Projekt „Islamische Friedensethik“ an einem Beispiel – dem islamische geprägten Kulturkreis – innerislamische Diskurse im Blick auf eine Ethik des Friedens identifizieren und auf die in ihnen wirksamen religiösen, kulturellen und philosophischen Voraussetzungen hin befragen.

Muhammad beim Badr Krieg

Die Hinwendung zum Islam ist nicht nur tagesaktueller Brisanz geschuldet, sondern auch der spezifischen Herausforderung, dass sich Muslimen heutzutage friedensethische Fragen stellen, die im unmittelbaren Rückgriff auf den in der Regel als normativ verstandenen Koran vermutlich nicht beantworten lassen. Über die Erlaubtheit des Einsatzes von Atomwaffen oder den Einsatz von Drohnen beispielsweise findet sich im Koran nichts Einschlägiges verzeichnet. Wie also verlaufen Diskurse auf diesen und ähnlichen Themenfeldern in der Arabischen Welt, in der Türkei, in Iran oder in Südostasien? In welcher Weise gehen in die Positionen, die sich im innerislamischen Diskurs identifizieren lassen, deskriptive Wirklichkeitsanalyse, präskriptive Argumente der allgemeinmenschlichen Vernunft sowie Bezüge zu den normativen Quellen des Islam ein?

Eine Seite von einem alten Koran Manuskript (8-9 Jahrhundert)

Vor diesem Hintergrund fragt das Projekt, ob sich in der islamisch geprägten Welt Diskurse über solche und ähnliche Fragen identifizieren lassen. Wo werden entsprechende Diskurse geführt – im Internet, in akademischen Zirkeln, als politische Elitendiskurse? Und welche Positionen lassen sich dabei identifizieren?

Dabei ist es wichtig, die jeweiligen Positionen in ihrer inneren Architektur zu rekonstruieren und zu fragen, ob und wie ein Dialog zwischen divergierenden Positionen möglich ist oder gar geführt wird. Wenn er möglich ist, muss es etwas Gemeinsames geben. Worin besteht dieses Gemeinsame?

Muhammads letzte Predigt
Mohammeds letzte Predigt

Das Projekt will Fragen dieser Art erörtern und zu einer zusammenfassenden Darstellung bringen. Letztendlich geht es dabei nicht um die im einzelnen vertretenen Argumentationsergebnisse, sondern um ein Verständnis der jeweiligen Argumentationslogik.

Das Projekt zeichnet sich durch die Mitwirkung international renommierter Institutionen und interdisziplinäre Kooperation aus und bemüht sich um die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses.

Links:

Tagungsbericht 2015

Peace Ethics Workshop Qom 2017

 


Projektleiter

Dr. des. Heydar Shadi