Terrorismusbekämpfung als ethische Herausforderung

Kämp­fer der isla­mis­ti­schen ISIS im Janu­ar 2014 in der Pro­vinz Anbar im Irak. © picture-alliance/AP

Ter­ror­an­schlag auf das World Tra­de Cen­ter in New York, am 11. Sep­tem­ber 2001. © AP

Die Anschlä­ge des 11. Sep­tem­ber 2001 mar­kie­ren eine Zäsur in der Geschich­te des Ter­ro­ris­mus und wur­den welt­weit als der dra­ma­ti­sche Aus­druck des neu­en Cha­rak­ters glo­ba­len Kon­flik­te auf­ge­fasst. Der Ter­ro­ris­mus ist sowohl zer­stö­rend als ver­stö­rend da er die „Regeln“ des klas­si­schen Kon­flik­tes sprengt, wie zum Bei­spiel die Tat­sa­che, dass bei ter­ro­ris­ti­sche Anschlä­ge zwangs­läu­fig nicht-kombattanten zur Scha­den kom­men. Die­se und ande­re Eigen­schaf­ten des Ter­ro­ris­mus, füh­ren zu der domi­nan­ten Auf­fas­sung, dass der Ter­ro­ris­mus aus ethi­scher Per­spek­ti­ve höchst pro­ble­ma­tisch, sogar ver­werf­lich sei. Des­sen Bekämp­fung wur­de dem­zu­fol­ge in den letz­ten Jah­ren zuneh­mend zur ein der höchs­ten Prio­ri­tä­ten der inter­na­tio­na­len Poli­tik. Nicht nur der Ter­ro­ris­mus, son­dern auch des­sen Bekämp­fung geht mit erheb­li­chen mora­li­schen Fra­gen ein­her. Der Ter­ro­ris­mus ist dem­nach nicht nur eine poli­ti­sche oder recht­li­che, son­dern viel­mehr eine ethi­sche Her­aus­for­de­rung und zwar in mehr­fa­cher Hin­sicht. Der Ter­ro­ris­mus stellt nicht nur eine ethi­sche Her­aus­for­de­rung da in dem es vie­le mora­li­sche Gren­zen über­schrei­tet und des­sen Bekämp­fung häu­fig mora­lisch belas­tet ist, son­dern der Ter­ro­ris­mus auch eine Her­aus­for­de­rung an der Ethik selbst, in dem es kon­ven­tio­nel­le Rah­men der ethi­schen Bewer­tung an ihre Gren­zen führt.

Das Pro­jekt beschäf­tigt sich mit genau die­ser Viel­sei­tig­keit der ethi­schen Her­aus­for­de­run­gen die der Ter­ro­ris­mus dar­stellt. Zur Grund­auf­ga­be des Pro­jekts gehö­ren dem­nach an ers­ter Stel­le die Aus­ein­an­der­set­zung mit der soge­nann­ten Defi­ni­ti­ons­pro­ble­ma­tik in der Ter­ro­ris­mus­for­schung sowie die Suche nach der spe­zi­fi­schen „Seman­tik“ des Ter­ro­ris­mus. In einem zwei­ten Schritt wird das Pro­jekt auf die ver­schie­de­ne Facet­ten der ethi­schen Pro­ble­ma­tik im Kon­text des Ter­ro­ris­mus und der Ter­ro­ris­mus­be­kämp­fung ein­ge­hen.

Im Fokus ste­hen dabei Fra­gen wie:

„Wel­che ethi­sche Gren­zen müs­sen ein­ge­hal­ten wer­den bei der Ter­ro­ris­mus­be­kämp­fung?“

„Wie wirk­sam sind mili­tä­ri­sche Maß­nah­men gegen den Ter­ro­ris­mus?

„Ist die Theo­rie des gerech­ten Krie­ges über­haupt anwend­bar im Kon­text kom­ple­xer, trans­na­tio­na­ler und nicht-staatlicher Gewalt?“

„Sind Prä­ven­ti­ons­maß­nah­men ein mög­lich wirk­sa­mes Ter­ro­ris­mus­be­kämp­fungs­mit­tel?“

Dar­über hin­aus wer­den auch medi­en­wis­sen­schaft­li­che und dis­kurs­ana­ly­ti­sche Unter­su­chun­gen mit in Betracht gezo­gen, da unse­re Wahr­neh­mung und Beur­tei­lung von Ter­ro­ris­mus und Ter­ro­ris­mus­be­kämp­fungs­stra­te­gi­en zwang­läu­fig durch deren media­len Prä­sen­ta­ti­on geprägt sind, was eben­falls mit vie­le ethi­sche Pro­ble­me ein­her­geht.

Der ehe­ma­li­ge Insas­se des US-amerikanischen Gefa­eng­nis­ses auf der Mili­taer­ba­sis Guan­ta­na­mo Bay auf Kuba, Murat Kur­naz, auf­ge­nom­men am Mon­tag (05.01.09) in Bre­men waeh­rend eines Inter­views. Foto: David Hecker/ddp

In einem letz­ten Schritt des Pro­jek­tes soll­ten die Ergeb­nis­se aus die­ser kri­ti­schen Eva­lua­ti­on in Dia­log mit dem kirch­li­chen Umgang mit dem The­ma Ter­ro­ris­mus und Ter­ro­ris­mus­be­kämp­fung gebracht wer­den. Das Pro­jekt zielt dar­auf die Stand­punk­te aus dem Bischofs­wort „Ter­ro­ris­mus als ethi­sche Her­aus­for­de­rung“ näher zu ana­ly­sie­ren und anhand der bis­he­ri­gen For­schungs­er­geb­nis­se zu ana­ly­sie­ren. Aus die­sen Über­le­gun­gen soll­te schließ­lich eine Emp­feh­lung für die Über­ar­bei­tung des kirch­li­chen Stand­punk­tes fol­gen. Let­zen end­lich soll­te dadurch im All­ge­mei­nen auch fest­ge­stellt wer­den wel­che Mehr­wert die christ­li­che Frie­dens­ethik hat für die ethi­sche Bewer­tung des Ter­ro­ris­mus und der Ter­ro­ris­mus­be­kämp­fung und was die Rol­le der Kir­che sein kann für die lang­fris­ti­gen Prä­ven­ti­on und Bekämp­fung von Ter­ro­ris­mus.


Projektleiter

Prof. Dr. Hajo Schmidt