Francisco de Vitoria: De iustitia. Über die Gerechtigkeit. Teil III

Poli­ti­sche Phi­lo­so­phie und Rechts­theo­rie des Mit­tel­al­ters und der Neu­zeit

Zu den klas­si­schen Vor­stel­lun­gen von Gerech­tig­keit zählt die Gleich­wer­tig­keit von Neh­men und Geben – die Tausch­ge­rech­tig­keit. Sie fehlt, wenn die berech­tig­te Erwar­tung ein­sei­tig geschmä­lert wird. Augus­ti­nus lehr­te, dass die Ver­ge­bung einer Sün­de zunächst die Wie­der­gut­ma­chung ver­lan­ge. Die­ser Satz ist ins kano­ni­sche Recht ein­ge­gan­gen und wird auch von Tho­mas von Aquin zitiert. Hier ist der Ansatz­punkt für den Trak­tat ›De resti­tu­tio­ne‹ im Sum­men­kom­men­tar des Fran­cis­co de Vito­ria (zu ›Sum­ma theo­lo­giae‹ II-II, q. 62). Vito­ria dis­ku­tiert die theo­re­ti­schen und prak­ti­schen Fra­gen, die mit dem The­ma ver­bun­den sind. Dass aus der ursprüng­lich moral­theo­lo­gisch begrün­de­ten Resti­tu­ti­ons­pflicht im spä­ten 16. und frü­hen 17. Jahr­hun­dert ein aus­dif­fe­ren­zier­tes Rechts­in­sti­tut zum Schutz sub­jek­ti­ver Rech­te gewor­den ist, des­sen beson­de­re Leis­tung in einem ein­heit­li­chen Grund­ge­dan­ken für den Ersatz unbe­rech­tig­ter Berei­che­rung und der Delikts­haf­tung sowie der kon­se­quen­ten Umset­zung des Prin­zips der aus­glei­chen­den Gerech­tig­keit liegt, ist ganz maß­geb­lich Vito­ria zuzu­schrei­ben.

Die­ser zwei­te Teil von ›De resti­tu­tio­ne‹, zugleich der drit­te und letz­te Band des Gerech­tig­keits­trak­ta­tes, ent­hält Vito­ri­as Kom­men­tie­rung der Arti­kel 3–8 zur Qua­es­tio 62. Hier beschäf­tigt sich Vito­ria in detail­lier­ten Ein­zel­ana­ly­sen mit beson­de­ren Fra­gen der Resti­tu­ti­on: von der Berech­nung des Scha­dens und des Gewinns über Aus­nah­men von der Resti­tu­ti­ons­pflicht etwa bei Gut­gläu­big­keit, über Pro­ble­me kon­kur­rie­ren­der Rechts­gü­ter, über eine prä­zi­se Leh­re von der Tat­be­tei­li­gung bis hin zu Son­der­pro­ble­men wie Spie­lerträ­gen.


Joa­chim Stü­ben
ISBN 978-3-7728-2654-2 · Stuttgart-Bad Cann­statt · 2020